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Christoph Ransmayr, Die letzte Welt

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Gelesen vom Autor
Der römische Bürger Cotta bricht in die am Schwarzen Meer gelegene Provinzstadt Tomi auf, um dort nach dem Dichter Ovid und einer letzten Fassung von dessen Hauptwerk, den Metamorphosen, zu suchen. Die graue Stadt am Rande des römischen Reichs, deren Bewohner von der Eisengewinnung leben, ist ein Ort des Verfalls, der von überschwemmungen und Erosionen heimgesucht wird.
OVP

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Produktbeschreibung

An diesen Ort war Ovid wegen einer gesellschaftskritischen Rede und seines als staatsfeindlich eingestuften Werks vom Imperator Augustus verbannt worden. Vor seiner Abreise hatte der Dichter die Manuskripte seiner Metamorphosen verbrannt; er selbst soll Gerüchten zufolge inzwischen verstorben sein. Einige Stofffetzen, die Cotta in der Umgebung von Tomi findet, bestärken diesen jedoch in der Vermutung, dass Ovid noch am Leben sei oder zumindest in der Verbannung an seinem Werk weitergearbeitet habe. Pythagoras, Ovids ehemaliger Diener, führt Cotta zu einem Platz mit Steinmonumenten, in denen die Schlussverse der Metamorphosen eingraviert sind. Von der schönen, aber an Schuppenflecken leidenden Echo erfährt Cotta von Ovids Projekt eines Buchs der Steine, in dem sich das Ende der Welt ankündige, und in den Teppichen der taubstummen Weberin Arachne finden sich weitere Motive von Ovids Erzählungen. Mit den Bewohnern von Tomi gehen unterdessen Verwandlungen vor sich, sie versteinern oder verwandeln sich in Tiere; die Stadt selbst wird nach und nach von Pflanzen überwuchert.
Aufbau: Der Roman blendet verschiedene Referenzsysteme ineinander, zu denen das Zeitalter des Kaisers Augustus, bestimmte Phänomene der Gegenwart, insbesondere aus dem Bereich moderner Medien, sowie das im Anhang erläuterte »ovidische Repertoire« gehören. So werden etwa die Reden der Großveranstaltungen in Rom mit Mikrophonen übertragen, und in Tomi begegnet Cotta dem Filmvorführer Cyparis, der selbst eine Figur Ovids ist und dessen Filme ebenfalls Motive aus dem Werk des Dichters enthalten. Die sinnfälligen Szenerien in der Gegend von Tomi verknüpfen antike und mythologische Momente mit solchen der modernen Industriegesellschaft. Den ovidischen Metamorphosen folgend, gestaltet Die letzte Welt das Prinzip der Verwandlung gleichermaßen als Gegenstand des Erzählens und als literarische Verfahrensweise. In seiner Verknüpfung verschiedener Zeiten und Mythen setzt der Roman das Prinzip der Verwandlung an die Stelle eines kontinuierlichen Geschichtsverlaufs. Die Welt Ovids erscheint als ein Gegenentwurf zu dem von Rom repräsentierten »Reich der Notwendigkeit und der Vernunft«, welches eine »Dauer und Unwandelbarkeit der Macht« intendiert. Das von Cotta gesuchte Werk Ovids, die Metamorphosen, zeigt sich am Ende in jenem Verwandlungsprozess, der sich in der Welt von Tomi vollzogen hat, deren Bewohner letztlich allesamt Transformationen von Figuren Ovids sind. In dieses Werk gehen schließlich auch Cotta und Ovid selbst ein. Die Fiktion erweist sich so als Wirklichkeit und die Wirklichkeit als Fiktion.
Argon

9783866104310